Gründung einer Stockabteilung

Auch die notwendigen Vorarbeiten zur Gründung einer Stockabteilung lagen zunächst in den Händen der Vorstandschaft mit Edi Lechner an der Spitze. Nach der Zusage eines angemessenen Zuschusses durch die Stadt Rosenheim wurde im Jahre 1980 die Planung von zwei Asphaltbahnen auf dem vereinseigenen Sportplatz in Angriff genommen und diese Planung dann auch in kurzer Zeit verwirklicht. Zahlreiche Vereinsmitglieder nutzten hierauf fleißig die Gelegenheit, um sich .dem Freizeitsport "Stockschießen" zu widmen. Für den 28. Oktober 1980 wurde schließlich eine Gründungsversammlung einberufen, bei der sich auf Anhieb 25 Personen in die Mitgliederliste eintrugen. Zahlreiche weitere Mitglieder schlossen sich der Abteilung an. Ein ordnungsgemäßes Trainingsschießen begann und seither wurde eine Reihe von Turnieren, insbesondere Geburtstagsturniere, abgewickelt. Der bei der Gründungsversammlung 1980 zum Abteilungsleiter gewählte Heinrich Stockl übt dieses Amt bis heute aus.

 

Und was hat sich außer dem gesellschaftlichen Bereich und den Gründungen von zwei neuen Abteilungen noch getan, das als archivwürdig späteren Generationen weiterzugeben ist?

Rodeln: Balthasar (Hausi) Schwarm wird zusammen mit seinem Partner Hans Brandner aus Berchtesgaden Deutscher Meister 1977 auf der neuerbauten Bob- und Schlittenbahn in Winterberg. Im gleichen Jahr werden die beiden in Hochform befindlichen Leistungsrodler Europameister und zwei Jahre später erringen sie auch noch den Weltmeistertitel

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Balthasar Schwarm wird auf der Tumeralm in Oberwöhr für seinen Welt meistertitel (zusammen mit Hans Brandner) durch den MTV-Vorsitzenden Edi Lechner im Beisein zahlreicher Ehrengäste mit einem Präsent geehrt.

Im übrigen ist die Rodelabteilung weiterhin außerordentlich rührig. Durch Trainingsfleiß, Härte und Ausdauer werden Jahr für Jahr Siege und gute Platzierungen errungen, das gilt nicht zuletzt auch für den Nachwuchs.

Turnen: Das sportliche Hauptgewicht beim MN liegt seit Menschengedenken beim Turnen. Wenn auch die großen Zeiten eines Sepp Wolf oder eines Sepp Fischer längst vorbei sind, der MN hält trotz einer weithin zu beobachtenden Rezession im Geräteturnen an seinem, von den Vätern übernommenen Auftrag fest. Im Kinder- und Jugendturnen wird nach wie vor wertvolle und vorbildliche Arbeit geleistet. Übungsleiter, ausgestattet mit Können und Idealismus, stehen Woche für Woche in den Rosenheimer Turnhallen, um, unbemerkt von der Öffentlichkeit, unsere Kinder und Jugendlichen zu wertvollen Menschen heranzubilden. Im Jubiläumsjahr stehen der Turnabteilung acht vollausgebildete Übungsleiter und vier Helfer zur Verfügung. Nicht weniger als 750 Mitglieder umfasst die Abteilung', davon allein 570 weibliche.

Der Abteilungsleiter für Turnen, Ferdl Leopoldseder, kann Jahr für Jahr über stolze Erfolge der MTV-Turner berichten. Seit langer Zeit gilt der MTV als erfolgreichster Verein im Turngau Wendelstein auf dem Gebiet des Kinder- und Jugendturnens. In der Jugendklasse C (Jahrgang 1970 und jünger) stellte der MN beim Bezirksentscheid 1984 in München Grünwaid sogar die beste Mannschaft des Bezirkes Oberbayern. Damit hatten sich die Jungturner des MN für die am 18. November 1984 in Landshut angesetzten Bayerischen Meisterschaften qualifiziert. Die jahrelange Trainingsarbeit unter ihrem unermüdlichen Übungsleiter Ferdl Leopoldseder hatte reiche Früchte getragen. Womit niemand gerechnet hatte: Auch auf Landesebene mischten die sechs Rosenheimer Buben ganz gehörig mit! Unter den besten bayerischen Mannschaften wurden sie von der erwarteten Siegermannschaft der Turngemeinde Landshut nur knapp nach Punkten geschlagen. Damit waren sie bayerischer Vizemeister noch vor der als sehr stark eingeschätzten Mannschaft aus dem Bezirk Allgäu (JSV Buttenwiesen). Besonders erfreulich auch noch der EinzeIsieg des Rosenheimer Kai Stöcker.

Die bayerischen Vizemeister im Turnen, Jugendklasse C;
von links: Trainer Ferdl Leopoldseder, Kai Stöcker, Alexander und Tobias Hafer, Markus Bruckbauer; knieend: Gerit Geisler, Wolfgang Soyer

Einen lautstarken Beifall spendeten die 900 Besucher beim Ehrenabend des Rosenheimer Sports in der Stadthalle, als Oberbürgermeister Dr. Stöcker der achtjährigen Birgitt Weiß vom MTV, Urkunde und Präsent für die Erringung des Stadtmeistertitels 1984 im Turnen überreichte und ihr dabei bescheinigte, die jüngste Stadtmeisterin zu sein.

Stadtmeisterin im Turnen 1984, die achtjährige Birgitt Weiß vom MN Roseheim

Franz Englmeiers Tod hinterließ eine große Lücke

Das Kapitel "Turnen" darf nicht abgeschlossen werden, ohne eines Mannes zu gedenken, dessen Leben Ende des Jahres 1977 allzu früh endete. Der Tod von Franz Englmeier hat im Rosenheimer Turnsport und darüber hinaus im Turngau Wendelstein und im Turnbezirk Oberbayern eine schmerzliche Lücke hinterlassen. Der MTV verlor mit Englmeier einen Idealisten, der in nahezu 3D-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit ungezählte Jugendliche mit der Turnsache vertraut machte. Die damalige Rosenheimer Turnjugend hat Englmeier viel zu danken.

1982 Wechsel in der Vereinsführung

Das Jahr 1982 bringt eine Zäsur in der Vereinsgeschichte mit sich. Edi Lechner, der als Vereinsvorsitzender die Geschicke des MTV zusammen mit seinen Ausschussmitgliedern seit dem Jahre 1971 leitete, legte sein verantwortungsvolles Amt bei der Generalversammlung am 28. März 1982 in jüngere Hände. Wenn der Chronist diesen Vorgang zum Anlass nimmt, auf die Persönlichkeit Lechners näher einzugehen, so deshalb, weil Lechner zu den fünf tragenden Säulen zu zählen ist, die sich bleibende Verdienste um den MTV erworben haben.

Edi Lechner, von Beruf Bundesbahnbeamter, war im Jahre 1956 von Ingolstadt nach Rosenheim versetzt worden. Bereits in den Kriegsjahren 1943 - 1945 war er Mitglied des SV 04 Berlin-Spandau. Während seiner Ingolstädter Zeit schloss er sich dem dortigen Männer-Turn-Verein 1881 an. Nach Rosenheim gekommen war Lechner als leidenschaftlicher Wasser-Kunstspringer zunächst vier Jahre Mitglied der Schwimmabteilung des TSV 1860 Rosenheim. Im Jahre 1960 trat er dem MTV Rosenheim bei, so daß er unserem Verein nunmehr 25 Jahre angehört. Seine früheren sportlichen Erfolge erzielte Lechner in den Schwimmstadien von Berlin, später im Kreis Donau-lIm und ab dem Jahre 1956 im Kreis Rosenheim. Bevor er seine aktive sportliche Laufbahn beendete, wurde er 1957 zweiter Bayer. Turnfestsieger und 1958 oberbayerischer Meister jeweils im Kunstspringen vom 3 Meter-Brett. In der Folgezeit stellte er seine reichen Erfahrungen auf dem Sektor Leibesübungen und sein Organisationstalent uneingeschränkt in den Dienst des Sports und vor allem in den Dienst der Jugend':' Kaum dem MTV beigetreten, übernahm er die Funktion eines Trampolinwarts, später wurde er Oberturnwart und schließlich war er auch noch als Pressewart tätig. Bevor er Anfang der Siebzig er Jahre die Vereinsführung beim MTV übernahm, war er bereits einige Zeit Zweiter Vorsitzender und ein Jahr lang kommissarischer Verein. Auch überregional war Edi Lechner gefragt. Im Turngau Wendelstein bekleidete er von 1961 - 1964 die Stelle des Jugendwarts. Im gleichen Gremium war er von 1972 - 1975 Zweiter Vorsitzender und seit dem Jahre 1976 gehört er dem Ausschuss des Rosenheimer Stadtverbandes für Leibesübungen an. In seinem Spezialgebiet "Trampolinturnen" war er von 1961 -1972 Fachwart im Turnbezirk Oberbayern, von 1961 -1979 außerdem noch stellvertretender Fachwart im Bayer. Turnerbund. Schließlich wirkte Lechner als Bundeskampfrichter bei zehn internationalen Einsätzen mit - davon sechsmal Holland, zweimal Schweiz und zweimal Japan.

Neben seiner vielseitigen ehrenamtlichen Funktionärstätigkeit hat Lechner beim MTV Rosenheim auf den verschiedensten Gebieten die Initiative ergriffen oder war maßgeblich an der Verwirklichung solcher Initiativen beteiligt:

Ohne auf Vollständigkeit pochen zu können, seien in chronologischer Reihenfolge genannt:

1960 Gründung der Trampolinabteilung; 1964 Beginn der Skigymnastik; 1965 Beginn der Hausfrauengymnastik; 1967 eine Jazz-Tanzgruppe wird ins Leben gerufen; 1968 Beginn des Haltungsturnens; 1968 Gründung der Rodelabteilung; 1969 Herausgabe der Vereinszeitung "MTV -INFORMATION"; 1970 Beginn des Mutter- und Kindturnens; 1971 Sanierung, Ausbau und teilweiser Neubau der Turneralm; 1972 Gründung der Volleyball-Abteilung; 1973 Neugestaltung der Vereinssatzung; 1976 Gründung der Seniorenabteilung; 1980 Bau von zwei Asphaltbahnen und Gründung der Stockabteilung.

Fürwahr, während der Ara Lechner wurde beim MTV Überdurchschnittliches geleistet und bewegt. Wegen seiner herausragenden Verdienste um den Sport hat er die verschiedensten Ehrungen erfahren. Sie alle aufzuzählen würde zu weit führen. Stellvertretend dafür seien genannt der Ehrenbrief des Bayer. Turnerbundes und eine außergewöhnliche Auszeichnung: Die silberne Ehrennadel des Königlich-Niederländischen Gymnastikverbandes.

Edi Lechner, ein Sportsmann vom Scheitel bis zur Sohle, hat den MTV mit Idealismus, Wagemut und Weitblick über zwölf Jahre geleitet und darüber hinaus weitere verantwortungsvolle Positionen innerhalb und außerhalb des Vereins bekleidet. Seit er das Amt des Vereinsvorsitzenden im Jahre 1982 in jüngere Hände gegeben hat, ist er Ehrenmitglied des MTV. Wollen wir hoffen, daß sich immer wieder Führungskräfte vom Format eines Edi Lechner finden.

Edi Lechner hat sich um den MTV verdient gemacht
Zwölf Jahre Erster Vorsitzender; vorher bereits Zweiter Vorsitzender, Obertumwart, Trampolintumwart und Pressewart

Ausklang

Zum Ausklang und zum Abschluss dieser Niederschrift über die einhundert jährige Geschichte des MTV Rosenheim dürfen die stillen, stets im Hintergrund wirkenden Mitarbeiter des Vereins nicht unerwähnt bleiben. Sie leisten die unabdingbare Basisarbeit. Ohne deren selbstlosen Einsatz für die Allgemeinheit, könnte ein Verein von der Größe des MTV einfach nicht bestehen. Der Chronist denkt dabei beispielsweise an die Übungsleiter und deren Helfer in den derzeit zwölf Abteilungen des Vereins über die in der anschließenden Selbstdarstellung mit dem Titel "Das Freizeitangebot des MTV 1885" Genaueres zu finden ist. Aber auch jene Mitarbeiter, die für die laufenden Verbesserungen des Vereinsheimes oder für die notwendigen Arbeiten auf dem Sportplatz ihren Beitrag leisten, verdienen ebenso erwähnt zu werden wie die vielen ungenannten Helfer, die bei den Vorbereitungsarbeiten und bei der Abwicklung von Veranstaltungen der verschiedensten Art immer wieder sich zur Verfügung stellen. In diesem Zusammenhang ist auf die am Jahresende 1984 bereits auf Hochtouren laufenden Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr hinzuweisen. Die Hauptlast hat - wie stets bei solchen Anlässen - die Vorstandschaft mit Siegi Martens an der Spitze und der vor einiger Zeit für diesen Zweck gebildete Arbeitsausschuss zu tragen. Ihnen zu danken ist Ehrensache; der Dank aller Vereinsmitglieder gilt nicht zuletzt aber auch den vielen stillen Mitarbeitern im Verein, ohne deren Hilfe alles nur Stückwerk bleiben müsste.

Auch die Repräsentanten unserer Stadt wissen um den Wert der zahlreichen Idealisten in den gemeinnützigen Vereinen. Sie zollen ihnen deshalb mit Fug und Recht Dank und Anerkennung, wie sie Oberbürgermeister Dr. Stöcker in seinem Grußwort zum Jubiläum des MTV Rosenheim zum Ausdruck bringt.

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